Advent, die Zeit der Besinnung und mein Blick in die Vergangenheit

Nun beginnt auch bei uns die Adventszeit und es lässt mich oft zurückdenken, an die vergangene Zeit, die ich über mehrere Monate in einem Land verbringen durfte, das meine Werte grundlegend geprägt hat. Indien.

Fast sieben Monate verbrachte ich nach meinem Abitur in Bangalore, einer Metropole im Süden Indiens mit über 8 Millionen Einwohnern, unzähligen Slums, Straßenkindern und bettelarmen Familien.

Inzwischen habe ich meine eigene kleine Familie und umso wichtiger finde ich es, heute, am ersten Advent, innezuhalten und zu reflektieren:

Ich bin unheimlich dankbar für die vielen vielen Erfahrungen, die ich dort sammeln durfte. Das sagt sich immer so flapsig dahin, aber es waren Eindrücke, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Trotz der großen Armut, haben die Menschen dort nie verlernt zu lachen. Nein, ich würde sogar behaupten, dass die Bewohner in Bangalore mit einer Leichtigkeit durch das Leben gehen, als ob sie im Überfluss leben würden. Aber das tun sie nicht. An den Straßenrändern sieht man unzählige Männer und Frauen sitzen, die Essen verkaufen, um sich so ihren Monatslohn zusammenzukratzen. An den Ampeln stehen Kinder, schwangere Frauen und Mütter mit ihrem Baby im Tragetuch, um die wartenden Autos nach Geld zu fragen.

In dem Kindergarten, in dem ich arbeitete, bin ich vielen Kindern begegnet, die eine wirklich schlimme Kindheit durchmachen mussten. Ein trinkender Vater oder ein gewalttätiger Bruder sind dort keine Seltenheit gewesen. Viele Kinder hatten gar keine Eltern mehr (wie die Jungs oben, neben mir auf dem Bild).

Warum mich das alles jetzt so sehr berührt?

Wir steuern auf Weihnachten zu, dem größten Konsumfest in unserer Gesellschaft. Mal ehrlich, mit einem kirchlichen Feiertag hat das (leider) für die wenigstens noch etwas zu tun. Heute besinne ich mich zurück und erinnere mich daran, dass ich Menschen kennenlernen durfte, für die Statussymbole wie ein schickes Haus, ein fettes Auto oder Luxusmarken nicht zählen. Vor allen Dingen das Essen im Überfluss ist ein Schatz, den wir hier in Deutschland gar nicht richtig zu schätzen lernen, da es so selbstverständlich ist, wie der Schnee im Winter.

Doch es gibt sie, die Menschen, die sich bereit erklären, ihre westlichen Werte aufzugeben. Manche gehen sogar den Schritt und wagen den Neuanfang in einer fremden Welt. Nelson und Janet sind so ein Beispiel…Während meines Aufenthaltes sind wir gute Freunde geworden und ich staune mittlerweile, was die beiden dort auf die Beine gestellt haben. Damals, 2012, war es noch ein Traum gewesen, heute, 2017, haben die beiden tatsächlich ein eigenes Kinderheim erbaut. (Angel House India).

Ich wünsche Euch eine wirklich tolle Adventszeit. Und vielleicht schärft ihr euren Blick für diejenigen um Euch herum, denen es momentan vielleicht nicht so gut geht. Eine gutgemeinte Tat erwärmt nicht nur euer Herz, sondern vor allem das des anderen! In diesem Sinne,

einen frohen ersten Advent

 

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