Strukturlosigkeit ist nichts für mich!

Vielleicht gehört auch ihr zu den Menschen, die schon ihr ganzes Leben so etwas wie strukturierte Perfektionisten sind. Bei mir hat das ganz eindeutig bereits im Kindesalter begonnen: Jedes Blatt in meinem Schulheft hatte eine saubere, bunt unterstrichene Überschrift mit Datumsangabe in der rechten Spalte. Es wurde nie über den Rand hinaus geschrieben. Ein Verschreiber wurde sorgfältig mit dem Tintenkiller korrigiert. Würde schon keiner merken. Vor dem Zubettgehen sortierte ich meine Schultasche und legte meine Klamotten für den nächsten Tag zurecht, bevor ich mich, guten Gewissens, zwischen meine fünfzig, liebevoll aufgestellten Kuscheltiere legte.

Man könnte mich auch als den weiblichen Sheldon aus BigBangTheory bezeichnen – zumindest hinsichtlich seines Ordnungssinns und dem Drang nach Perfektion. An der Hochbegabung arbeite ich noch 😀 (kleiner Scherz).

Ich bin von Natur aus ein sehr strukturierter Mensch, der die Dinge (nicht allzu gerne) auf sich zukommen lässt, sondern lieber selbst in die Hand nimmt. Ganz schlimm sieht es dann an besonderen Anlässen wie beispielsweise Weihnachten oder großen Familienevents aus. To-Do-Listen, Zeitpläne und eine lange Vorlaufzeit lassen mich dann erstrahlen und schenken mir Zufrieden- und Sicherheit.

Nun ist die Geburt und die Babyzeit auch ein solches Großevent – der Unterschied ist jedoch, dass meine bisherige Strategie nicht mehr aufgeht. Wie sehr hat sich die Ungeduld kurz vor der Geburt angestaut (-> lesen) , wie sehr versuchte ich, mich auf das Ereignis „Geburt“ seelisch vorzubereiten (-> lesen) ? Nun ist auch die bereits angebrochene Babyzeit ein Beweis dafür, dass Planbarkeit und Strukturierung (vorerst) über Bord geworfen werden müssen.

Unsere Kleine gibt den Takt vor und wenn sie Hunger hat oder Schlafen will, ist das eben so. Da ist es egal, ob es Mama und Papa gerade in den Kram passt oder nicht.

Momentan sind es vor allen Dingen die Nächte, die ich ja bereits in höchsten Tönen gelobt hatte. Derzeit befindet sich Eleonora glaube ich in einem Wachstumsschub (wer weiß das schon) – jedenfalls streckt und reckt sie sich, wenn es sein muss, auch mal die ganze Nacht. Ist sie dann eingeschlafen, hat sie wenig später Hunger oder eine volle Windel. Und ehe man sich versieht ist man drinnen im Hamsterrad aus:

Baby schreit – Eltern springen – Baby glücklich – Eltern müde – Baby schreit – usw.

Es musste ja so kommen, denn irgendwie gehört das zur Babyzeit ja dazu. Dennoch beginne ich mit den kleinen Dingen und versuche, allmählich Struktur in unseren Alltag zu bringen. Unser kleines Morgenritual besteht darin, die Kleine im Bett zu stillen, zu waschen und wickeln, um dann frühstücken zu können. Ab 12 Uhr mittags werden Eleonoras Augen wieder kleiner und man hat für rund 2h Freizeit (yes!). Meistens schnappe ich mir die Babytrage, setze sie hinein und erledige die kleinen Dinge, die liegen geblieben sind. So schaffe ich mir kleine Erfolgserlebnisse, die mir das Gefühl vermitteln, auch noch mehr zu können, als Milch zu geben, Windeln zu wechseln und müde aus der Wäsche zu gucken. Und wenn das Wetter es zulässt, drehen wir auch schonmal eine größere Runde mit unserem Kinderwagen. Ich komme zwar immer noch genauso schnell aus der Puste wie „damals“ in der Schwangerschaft, aber es fühlt sich zumindest ein bisschen wie Sport an. 😀

„Kleine Inseln bewahren mich vor dem Untergehen“

lautet mein Motto. Und auch, wenn ich mit aller Leidenschaft Mami bin, leugne ich es nicht auch in manchen Dingen egoistisch zu sein. Ein Frühstück und eine warme Dusche sind einfach ein Muss! Und oft sind es diese banalen Dinge, die uns bereits ganz anders in den Tag starten lassen als wenn wir ihnen keine Beachtung schenken würden.

 

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