Bin ich schön genug für diese Welt? #essstörung

Es ist eine Frage, die Millionen von Frauen und Männern beschäftigt. Der Körperkult hat sich vor allem in den letzten Jahrzehnten so perfektioniert, dass der „ideale Körper“ nicht nur immer seltener naturgegeben ist, sondern sich für harte Arbeit verdient werden muss. Es ist frustrierend zu wissen, dass sich Frauen und Männer über den ganzen Planeten hinweg mit Diäten quälen, in der Hoffnung, ihrem Ideal auch nur ein Stückchen näher zu kommen. Doch wie sieht diese Idealvorstellung eigentlich aus?

Körperformen verändern sich mit den Jahrzehnten

Interessanterweise wechseln mit jedem Jahrzehnt auch die Vorstellungen von Körperformen.

20er-Jahre: Schmale Hüften, kleiner Busen, dank Coco Channel erhielt die Modeindustrie erste Einflüsse und verhalf den Frauen durch BHs zum flachgedrückten Busen und somit zum Erhalt ihrer eher knabenhaften Figur

40er-Jahre: Der 2.Weltkrieg sorgt dafür, dass Essen in manchen Regionen knapp wird. Das spiegelt sich auch im Frauenkörper wider. „Groß, kantig und breit“, galt demnach als Schönheitsideal.

50er-Jahre: Breite Hüften, schmale Taille und ein üppiger Busen sind klare Statements für die Weiblichkeit. Marilyn Monroe galt als Vorbild tausender Frauen und Mädchen.

60er-Jahre: Zart, schlank und mädchenhaft waren die Stichworte der 60er. 1963 erfolgt übrigens die erste Gründung von Weight Watchers.

80er-Jahre: groß, sportlich, lange und schlanke Beine waren die Ideale in den 80ern. Diätpillen und Abnehmprogramme haben längst den Markt überschwemmt.

90er-Jahre: wenig Kurven, flacher Bauch – Boyfriendhosen gehören zum sogenannten „Heroin Chic“

Heute: viel Busen, flacher Bauch, schmale Taille, Oberschenkellücke, großer Po, makellose Haut, gebräunt – was gibt es da noch zu sagen?!

„Die einzige Problemzone, die wir haben, ist unser Kopf“

Ganz ehrlich, wer von euch fühlt sich wohl, wenn ihr durch die Stadt geht und die Schaufensterpuppen betrachtet (oder eine davon kopierte Verkäuferin)? Laufen wir nicht alle mit dem Gedanken im Kopf durch die Gegend, nicht schön genug zu sein? Wir leben tagtäglich mit Vergleichen, suchen & finden Stellen an uns, die angeblich eine Problemzone darstellen und uns nur noch mehr das Gefühl geben, aus dem Raster zu fallen. Aber wenn ich ehrlich zu euch sein darf: Die einzige Problemzone, die wir haben, ist unser Kopf.

Schönheit ist in keiner Form definiert. Drückt sich über keine Kleidergröße aus (auch wenn man das oft denkt). Schönheit ist leider zu einem Ideal geworden, dass kaum noch zu erreichen ist – außer mit viel Sport oder ordentlich Photoshop. Die Modeindustrie bläut uns ein, dass ihre Kleider nur als Size 0 sexy wirken, ja, manche produzieren nicht mal Größen ab 42 aufwärts. Anstatt traurig zu werden und uns zu fragen, warum wir nicht gut genug sind, sollten wir doch eigentlich ziemlich sauer werden! Was fällt den Modegurus dieser Welt ein, uns emanzipierten Frauen, die seit Jahrzehnten für ihre Gleichberechtigung in der Gesellschaft kämpfen, zu diktieren, wie wir auszusehen haben?! Wir sollten wieder den Mut haben, zu sagen, dass wir schön sind. Jede und jeder auf ihre eigene, individuelle Weise.

Es mag sein, dass viele ihre Erfüllung in Fitness Studios, bei Weight Watchers Kursen oder auf Instagram & Co. finden, aber ganz ehrlich, wenn ihr die Wahl hättet, auch mal Dinge zu tun, die ihr euch niemals erlauben würdet, ja dass ihr „sündigen“ würdet, würde sich das nicht auch manchmal gut anfühlen? Für wen um alles in der Welt machen wir den ganzen Mist? Für uns? Gehts uns dabei besser? Oder für die paar Wenigen, von denen wir glauben, dass sie uns sonst nicht als liebenswert und schön ansehen?

Ich möchte euch eine kurze Geschichte erzählen.

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Dieses Foto hat viele meiner Freunde begeistert und alle meinten so „hey, klasse, dass es dir wieder gut geht.“ Aber ganz ehrlich – mir ging es immer noch besch*ssen. Der Körper hatte sich wieder halbwegs regeneriert, aber meine Seele war zutiefst verletzt von den Dingen, die ich ihr über Monate hinweg angetan habe. Ich habe so viele schöne Momente mit meinen Freunden verpasst, weil ich einfach nicht den Mut hatte, in ein Restaurant zu gehen..Ich wollte nicht ins Kino, da zwei Stunden sitzen schon zu viel für mich waren. Ich lernte wie eine Verrückte ab 0 Uhr, da ich davor mit Kalorienzählen, Kalorienverbrennen und Selbstvorwürfen beschäftigt war. Jeder Tag glich dem anderen und doch hatte ich jeden Morgen Angst davor, aufzustehen. Ich ging an meine Grenzen und dachte nicht an die Folgen, die dieses Hochleistungstraining für mich bedeutete. Die morgendliche Wiegeroutine entschied darüber, ob mein Tag gut oder schlecht werden sollte und ich legte bereits am Morgen fest, was mein Abendessen sein sollte. Irgendwann wollte ich nur noch weinen, raus aus dem Käfig, den ich mir selbst gebaut hatte. Aber selbst das Weinen hatte ich irgendwann verlernt…

Es war ein langer, sehr sehr langer und steiniger Weg, den ich (und darauf bin ich echt stolz) aus eigener Kraft gegangen bin. Ich wollte in keine Klinik – absolut nicht. Also begann ich, mich aufzurappeln, weiterzumachen. Ich wollte nach dem Abi weit weg, am besten in ein Land, das mich nicht ständig durch Werbung und Schaufensterpuppen daran erinnert, nicht perfekt zu sein. Indien sollte es werden, ein Land, fernab von westlichen Werten.

Nach sieben Jahren kann ich nun sagen, es geschafft zu haben.

Aber umso mehr schmerzt es mich zu sehen, wie sich tagtäglich Frauen knebeln und sich die Möglichkeit nehmen, einfach glücklich zu sein.

Der Film #Embrace , der sich ebenfalls mit dem Thema Schlankheitswahn beschäftigt, hat mich die ganze Nacht verfolgt. Aber es sollte mehr davon geben.

Viel mehr.

Wacht auf ihr Lieben, ich würde euch so gerne ersparen, was ich durchgemacht habe. Es mag die Ironie des Schicksals sein, das ich im Oktober ein kleines Mädchen zur Welt bringen darf. Denn ich schwöre mir, dass ich ihr nicht den geringsten Anlass geben, jemals an sich zu zweifeln. Liebt euch, ihr Mamas, lebt und zeigt euren Kindern, wie man es richtig macht!

bauch2

Ihr wollte mir Eure Geschichte erzählen? Dann schreibt mir !

 

Ein Gedanke zu “Bin ich schön genug für diese Welt? #essstörung

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