Mantra & Meditation – Meine erste Stunde im Schwangerschaftsyoga

Schwangerschafts-Yoga. Vielleicht haben auch einige von Euch schon den einen oder anderen Flyer in die Hand gedrückt bekommen – sei es beim Frauenarzt, von der Hebamme oder einer guten Freundin. Ich bin mehr oder weniger durch Zufall darauf gestoßen, als ich nach „Sport in der Schwangerschaft“ googelte. Die Auswahl ist ja in der Regel nicht sehr groß und begrenzt sich auf Schwangerschaftsgymnastik, Schwimmkurse und eben Yoga. Letzteres hatte ich zugegebenermaßen ein paar Mal verzweifelt probiert – verzweifelt deswegen, weil ich bis gestern der Meinung war, einfach nicht der Typ für so etwas wie Yoga zu sein. Normalerweise stehe ich lieber auf Sportarten, die viel Action voraussetzen und einen so sehr auspowern das man a) gut schlafen kann und b) richtig fetten Muskelkater am nächsten Tag hat ! Yoga gehörte da bisher eher zu einer Randsportart, die ich links liegen ließ. (In unseren Flitterwochen hatte ich erstmal die Gelegenheit, mich bei Verrenkungen und dazu passenden Atemtechniken zu entspannen – allerdings empfand ich das nicht als sonderlich angenehm. Hinzu kam, dass der Yogi Meister so sehr in seinem Element war, dass er vergaß, dass vielleicht Leute dabei waren (wie z.B. ich), die Yoga eben nicht jeden Tag praktizierten und den Ablauf der Bewegungen daher nicht ganz so schnell umsetzen konnten. Er jedenfalls behielt seinen dynamischen Rhythmus bei und ich kam völlig aus dem Konzept. Möglicherweise war diese Erfahrung einer der Gründe, weshalb sich meine Einstellung gegenüber Yoga so entwickelt hat.)

Nun kommt jedoch das große ABER: Denn ich habe seit der Schwangerschaft ein großes Bedürfnis nach Ruhe, Entspannung und Gemeinschaft. Gerade nach dem gestrigen Tag (vermutlich trug auch das miese Wetter eine Teilschuld daran) fühlte ich mich ausgelaugt und in höchstem Maße unentspannt. Daher muss ich zugeben, dass ich mich tatsächlich auf meine bevorstehende, erste Yogastunde freute. Gegen halb acht (ich war wie immer spät dran) kam ich dann völlig gehetzt im YogaGlück an, einem kleinen Raum in einem Einfamilienhaus, was mir von Anfang an gleich sympathisch war. Ich liebe es, wenn die Details stimmen und man merkt, dass sich Mühe gegeben wird, um den Teilnehmern ein gutes Gefühl zu geben. Das hatte ich und ich fühlte mich wohl statt unbehaglich. Ich betrat den Raum, der bereits von leiser Musik erfüllt wurde, fand ein Glas Wasser und eine schon vorbereitete Matte sowie fünf weitere, sympathische Schwangere und die Yogalehrerin vor.

Als die Musik ertönte war ich überrascht, denn es war kein schräger, indischer Gesang, sondern eine zarte Stimme mit leisen Hintergrundtönen, die ich als sehr angenehm empfand. Wir bzw. die anderen, die den Text bereits kannten, begannen zu singen (oder wie man auf „yogisch“ sagt : zu channen). Es klang wirklich schön und war mal ein ganz anderer Klang wie der meines Alltags. Ich merkte bereits während der Musik, dass mein Körper sich zu beruhigen schien. Klar, Gedanken kann man nicht auf Knopfdruck ausschalten, aber sie wurden weniger und ich schaffte es tatsächlich mal ganz bei mir zu sein.

Das klingt immer blöd, wenn ich das von anderen höre oder in irgendwelchen LifeBüchern lese, aber ich muss zugeben, dass es stimmt. Wir sind selten mal wirklich „bei uns“. Oft geht es darum, zu funktionieren und man verliert das Gespür dafür, dass „ich eigentlich ich bin“. Auch die Schwangerschaft sehe ich (leider) oftmals als viel zu selbstverständlich an. Gestern wurde mir mal wieder bewusst, was das eigentlich für ein Wunderwerk ist, ja, dass es vielmehr ein Geschenk ist, was wir erhalten haben. Doch stattdessen belaste ich mich viel zu oft mit Sorgen und Dingen, die mir eigentlich nicht gut tun. Umgebe mich mit Menschen, die mir nicht gut tun, anstatt einfach zu sagen: Nein, es reicht. Das war eine ganz wichtige Erkenntnis für mich gestern, die ich zwar vorher schon kannte, aber nicht wirklich umsetzte, denn das Wohl anderer erschien mir immer noch genauso wichtig als mein eigenes. Mutterwerden und Muttersein ist jedoch etwas, dass unantastbar sein sollte. Beide verdiene Respekt, Anerkennung, Wertschätzung und Rücksichtnahme und wenn das dir nicht entgegengebracht werden sollte, dann sage dir, dass du jederzeit das Recht dazu hast, diese moralischen Grundwerte einzufordern. 

Begeben wir uns gedanklich wieder in den Yogaraum und auf meine Matte. Die Musik ist verklungen und die ersten Übungen haben begonnen. Wir praktizierten das Khundalini Yoga, eine Form des Yogas, die ich bisher noch nicht ausprobiert hatte. Ich empfand die Übungen, im Vergleich zu dem, was ich schon kannte, als sehr angenehm, denn es ging hier weder um dynamische Bewegungsabläufe, noch um komplizierte Atemtechniken wie etwa beim Sonnengruß, den manche von Euch vielleicht kennen. Wir praktizierten ganz einfache Übungen, sei es nur einen Katzenbuckel machen oder leichte Dehnübungen alles in Kombination mit tiefen Atemzügen und nach dem eigenen, individuellen Rhythmus. Das fand ich sehr gut. Wir waren zwar eine Gruppe, aber doch war jede für sich und bestimmte ihr eigenes Tempo. Zum Ende der Stunde lief noch einmal ein Mantra, dessen Bedeutung zu dem passte, was ich während der Stunde für mich entdeckt hatte : I am. Ich bin.

Ich habe euch mal das Video angehängt und ermutige Euch, Euch mal eine Decke zu nehmen, ein Kissen und 5 Minuten Zeit. Leg dich auf Decke, schließe dich Augen und lausche der Musik. Und denke immer daran: I am. Ich bin.

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